Spandauer Künstler starten ins 40. Jahr

Ein Zeitungsartikel von Christian Schindler,
erschienen im Spandauer Voksblatt am 07.03.2018

 

Eine sehr optimistische Ausstellung eröffnet das 40. Jahr des Arbeitskreises Spandauer Künstler (ASK).
Noch bis zum 18. März heißt es im Gutshaus Neukladow „Der Frühling lässt grüßen“. Das ist nicht nur wegen des Dauerfrosts optimistisch, der den meteorologischen Frühling fühlbar kühlte. Noch kurz vor der Eröffnung der ersten Ausstellung des Arbeitskreises Spandauer Künstler war nicht sicher, ob der 40. Geburtstag in diesem Jahr gebührend gefeiert werden kann. Aus dem Kunstamt hieß es lange Zeit, dass im Gotischen Haus, in dem der ASK schon manche Ausstellung bestritt, künftig weniger Kunst und dafür mehr Geschichte gezeigt werden sollte und es deswegen dort keine Geburtstagsausstellung geben wird. Immerhin diese Nachricht kam zur ersten Schau 2018: Im Juli wird sich der ASK im Gotischen Haus im Herzen der Altstadt vorstellen.
Passend zur guten Nachricht strahlt ein großformatiges Frühlingsbild der ASK-Vorsitzenden Hella Zarski ins Kaminzimmer des Gutshauses Neukladow. Das ist natürlich selbst als Ort so spannend, dass es zum Kunstobjekt wird. Petra von Schmude hat einen „Zeitraffer“ in Acryl gestaltet, auf dem das Gutshaus im Mittelpunkt steht und die Figuren auf dem Vorplatz in die Bismarck-Zeit verweisen, aber auch der Aufsteller vor der Eingangstreppe die heutige gastronomische und kulturelle Nutzung betont.
Die Ausstellung mit einem kleinen Querschnitt der ASK–Maler ist im Gutshaus, Neukladower Allee 12, bis zum 18. März täglich von 10 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

 

 

 

 

Surreales mit Flugobjekten

Ein Zeitungsartikel von Judith Meisner,
erschienen in der MAZ am 03.03.2017

 

Spandau/Falkensee. Zwischen den gegenständlichen und abstrakten Bildern in der Kellergalerie des Arbeitskreises Spandauer Künstler (ASK) fallen ihre Bilder aus dem Rahmen: Petra von Schmude malt surrealistisch. Eine Frau erscheint wie aus einem Streifen Stahl entwickelt. Ein kleiner Trommel-Oskar sitzt im Wald, begleitet von einem erstaunten Märchenwesen mit einem Bambi zwischen den Beinen.
Petra von Schmude ist mit dem Geruch von Ölfarben groß geworden. Ihre 86 Jahre alte Mutter malt heute noch. Beide stellten auch schon gemeinsam aus. Im Odd Fellow Haus im Grunewald zeigte Mutter Gisela Blumen- und Pflanzenstillleben, die Tochter Ansichten eines eigenartigen Kosmos, der in ihren Träumen stattfindet.
In Petra von Schmudes Leben dreht sich alles um die Kunst. Ihre Kinder wählten beide ein künstlerisches Studium. Im Haus in Spandau finden gleich zwei Ateliers für die Malerin Platz. Im Wohnzimmer hängt ein großes Werk von ihr neben vielen Arbeiten von Freunden. Darunter eine filigrane Enkaustik, ein in Wachs gegossener Scherenschnitt von Martin Assig. Er hatte vor Jahren eine Gastprofessur an der Berliner Universität der Künste. „Bei mir zu Hause sieht es aus wie in einem Museum“, sagt die Malerin. Aber so war es nicht immer. Petra von Schmude machte eine Banklehre und wurde Kauffrau. „Die Geldscheine waren kleine Kunstwerke für mich“, sagt sie heute über jene Zeit, als Brotberuf und Familienzeit ihr Leben bestimmten. „Wenn andere vor dem Fernseher saßen, dann zeichnete ich.“
Gibt es künstlerische Vorbilder für Petra von Schmude? Da zählt sie gleich ein ganze Reihe auf: Gerhard Richter, Daniel Richter, und sie mag die Skulpturen von Baselitz und Giacometti. Ihre eigenen Bilder erinnern zuweilen an die Gemälde Edward Hoppers, der einsame Menschen in nordamerikanischen Städten in den 1930er-Jahren darstellte. Etwa das Gemälde „Der 1. Kaffeeautomat“ von Petra von Schmude. Es zeigt eine rot-gelbe riesige Maschine. Daneben steht eine Berlinerin in einem braven Aufzug der frühen 1950er-Jahre. Im grauen Reisekostüm und praktischen Schuhen trinkt sie aus einem Pappbecher. Trotz Flughafen-Am- biente à la Tempelhof atmet alles Spießigkeit, gepaart mit Neugier auf die modernen Geräte: Das manifestiert sich im Kaffee bereitenden Ungetüm. Durchs Fenster sieht man eine Propeller-Maschine.
Beim Malen lauscht die Künstlerin gern Hörbüchern mit den Romanen von Siri Hustvedt, der Frau des amerikanischen Autors Paul Auster. Auch der Österreicher Thomas Bernhard zählt zu Petra von Schmudes Lieblingsschriftstellern. „Malerei und Literatur gehören für mich zusammen“, ist die 61-Jährige überzeugt. Nach einigen Jahren in Falkensee wohnt sie mit ihrem erwachsenen Sohn Simon wieder in der Großstadt. Die Nähe zu den Künstlerfreunden ist der Berlinerin wichtig. Mit ihnen ist sie gut vernetzt und beteiligt sich an zahlreichen Ausstellungen. Derzeit sind Petra von Schmudes Arbeiten in der Ausstellung „Lieblingsbilder“ des ASK im Kulturhaus Babelsberg zu sehen.